Die Entstehung und Entwicklung der deutschen Sprache Mittwoch, Okt 29 2008 

Die Entstehung und Entwicklung

der deutschen Sprache

 

Inhaltsverzeichnis

 

1.    Einleitung

2.    Das Germanische

3.    Das Althochdeutsche (750-1050)

4.    Das Mittelhochdeutsche (1050-1350)

5.    Das Frühneuhochdeutsche (1350-1650)

6.    Das Neuhochdeutsche (ab 1650)

7.    Bibliographie

 

 

Einleitung

Sprache scheint etwas Selbstverständliches zu sein. Wir benützen sie Tag für Tag in verschiedenen Zusammenhängen ohne genauer darüber nachzudenken, woher sie eigentlich kommt. Die Sprache, die wir heute „deutsche Standardsprache“ nennen, hat sich seit Beginn ihrer Entstehung dauernd verändert und befindet sich auch im 21. Jahrhundert noch in stetigem Wandel. Heutige Jugendliche brauchen manchmal einzelne Wörter, die ihre Grosseltern nicht verstehen und umgekehrt. Die Sprache passt sich der Zeit und Gesellschaft an oder anders gesagt: die Menschen passen sich die Sprache an. Grammatik und Orthographie wandeln sich. Neue Wörter kommen hinzu, alte verschwinden oder werden abgewandelt.

Der Entstehung und Entwicklung der deutschen Sprache will ich mich in dieser Arbeit widmen. Ich werde zuerst auf die Herausbildung des Germanischen aus dem Indoeuropäischen eingehen und dann die Entwicklung der deutschen Sprache nach folgender Einteilung betrachten:

 

- Althochdeutsche Zeit               von 750 bis 1050

- Mittelhochdeutsche Zeit           von 1050 bis 1350

- Frühneuhochdeutsche Zeit       von 1350 bis 1650

- Neuhochdeutsche Zeit              seit 1650.

 

Natürlich sind diese Zeitangaben nur ungefähre Messwerte, da sich Sprachen meist schleichend verändern. [1]

Meine Abhandlung wird 1901 enden, am Zeitpunkt, an dem zum ersten Mal in der Geschichte die deutsche Standardsprache im schriftlichen wie mündlichen Gebrauch einheitlich geregelt ist und im Grossen und Ganzen im gesamten deutschsprachigen Gebiet so verwendet wird.

An dieser Stelle haben die grossen Veränderungen im Sprachgebrauch ein vorläufiges Ende, alle späteren Wandlungen sind kleinere Entwicklungen, die im Generellen die Strukturen der Sprachregelungen um die Wende zum 20. Jahrhundert bestehen lassen.

 

 

Auf das politische Geschehen gehe ich nur insofern ein, als dass es für das Verständnis der Sprachwandlung von Nöten ist. Was sich jeweils an der Sprache explizit geändert hat, kann ich nur sehr reduziert und im Sinne von einzelnen, beispielhaften Veranschaulichung aufzeigen.  

 

 

 

Das Germanische

 

Deutsch ist eine germanische Sprache und damit verwandt mit Holländisch, Englisch, Friesisch und mit den skandinavischen Sprachen Dänemarks, Schwedens, Norwegens und Islands. Die Nähe zu diesen Sprachen ist heute jedoch nicht mehr allzu offensichtlich. Dies liegt daran, dass jede ihren eigenen Entwicklungsweg gegangen ist. Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto grösser werden die Gemeinsamkeiten der germanischen Sprachen untereinander. Ca. 1000 v. Ch. laufen schliesslich alle Sprachstränge zusammen und bilden das sogenannte „Germanische“. Dieses Germanische gehört seinerseits in die grosse Familie der indoeuropäischen oder indogermanischen Sprachen, die unter anderem das Iranische, Altarmenische, Griechische, Indische und die slawischen, baltischen, italischen und keltischen Sprachen umfasst. Früher glaubte man, die indoeuropäischen Einzelsprachen seien durch eine Spaltung des Urindoeuropäischen in zwei Gruppen, eine west- und eine ostindoeuropäische, und durch weitere Spaltungen dieser beiden Gruppen entstanden. Diese „Stammbaumtheorie“ ist jedoch insofern unwahrscheinlich, als dass die sich ausbreitenden Völker von Indogermanen nicht in menschenleere Räume vorstiessen, wo sie sich isolieren konnten, sondern auf Völker anderer Sprachgemeinschaften trafen. Es dürfte deshalb zu einer Vermischung des Urindogermanischen mit der Sprache der jeweiligen Einheimischen gekommen sein, woraus sich schliesslich die unterschiedlichen indoeuropäischen Einzelsprachen gebildet hatten.[2] 

Um ca. 1000 v. Ch. kam es zur ersten oder germanischen Lautverschiebung, die das Germanische aus dem Indoeuropäischen herausbildete und mehrer Jahrhunderte dauerte:

 

Indoeuropäisch     bh, dh, gh     à     Germanisch   b, d, g

                              b, d, g           à                           p, t, k

                              p, t, k            à                          f, th (wie das englische th in thing), h (ch)[3]

 

  

 

 

Das Althochdeutsche (750-1050)

 

Die ältesten erhalten gebliebenen Schriftstücke, die wir als „deutsch“ bezeichnen, stammen aus der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts. Indem wir diese Schriften „althochdeutsch“ nennen, meinen wir den ältesten erfassbaren Zustand des Hochdeutschen. In dieser Zeit herrschte der Frankenkönig Karl der Grosse über Franken und über die unterworfenen Sachsen, Baiern, Alemannen und die Völker Westroms. Karl der Grosse entwickelte die grossen geistigen Leitlinien, dank derer ein „Deutschtum“ entstehen konnte. Zu seinen Werken gehört unter anderem, dass er den Monaten deutsche Namen gab und eine Sammlung deutscher Predigten anlegte. Aus der Karolingerzeit sind deshalb vor allem Schriftstücke mit theologischem Inhalt erhalten geblieben. Baiern, Sachsen und Alemannen, die alle sehr souverän waren und ihre eigenen germanischen Dialekte sprachen, wollten sich nicht in das Frankenreich eingliedern. Karl dem Grossen kam das neu entstandene Wort „theotiscus“  

(= Volkssprache), welches das allen germanischen Stämmen Gemeinsame und Verbindende bezeichnete, gerade recht; schliesslich galt es, den unterworfenen Stämmen seines ostfränkischen Reiches ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln, nur so konnte es beisammen gehalten werden.

Karl der Grosse wollte sein Reich christianisieren. Im ostfränkischen Reich, verstanden – ausser den Geistlichen und den Gelehrten – die Menschen aber kein Latein, deshalb mussten die Predigten in der Volkssprache abgehalten werden. Allerdings zeigten sich Unzulänglichkeiten in den germanischen Dialekten, denn diese hatten zum Teil keine Synonyme für lateinische Ausdrücke. Aus diesem Grund mussten neue Wörter erfunden werden, die von allen germanischen Dialekte übernommen wurden. So verlor sich das Unterscheidende zwischen den westfränkischen Dialekten immer mehr (obwohl gewisse äusserliche Unterschiede, vor allem in Lautbildung, Intonation und Wortschatz erhalten blieben und die heutigen Dialekte ausmachen) und gipfelte schliesslich in etwas Neuem: der althochdeutschen Sprache. Durch dieses sich im östlichen Teil des Frankenreiches langsam bildenden Bewusstsein der Staats- und Sprachzusammengehörigkeit war der Grundstein zur Bildung eines deutschen Reiches gelegt.[4]

Erst im 11. Jahrhundert jedoch, also beim Übergang vom Althochdeutschen ins Mittelhochdeutsche, sollte sich das Deutsche als übergreifende Sprache gegen das Romanische, Dänische, Slawische und Rätoromanische der Nachbarvölker abheben.

Da die althochdeutschen Laute mit lateinischen  Buchstaben niedergeschrieben werden mussten, die diesen Lauten nicht hundertprozentig entsprachen, war es für die Schreiber oft mit erheblichen Problemen verbunden, deutsch zu schreiben. Deshalb liegen für dasselbe Wort häufig viele verschiedene Schreibungen vor; so finden sich zum Beispiel für den Namen „Ludwig“ folgende Schreibvarianten: Lodhuuig, Ludhuuuig, Hludwig, Ludouuig.[5]

Das Frankenreich wurde 843 nach dem Tod Karl des Grossen in ein altfranzösisch (entstanden durch Durchdringung des Lateinischen mit dem Gällischen) sprechendes Westreich, das spätere Frankreich, und ein althochdeutsch sprechendes Ostreich, das spätere Deutschland, aufgeteilt.[6]

 

Die Stammessprachen des Althochdeutschen  teilen wir folgendermassen ein:

 

Oberdeutsch

A) Bairisch

B) Alemannisch

C) Langobardisch (gehört heute nicht mehr zum deutschen Sprachgebiet)

D) Oberdeutsches Fränkisch

           - Ostfränkisch

- Südrheinfränkisch

 

Mitteldeutsch

A) Mitteldeutsches Fränkisch

-  Rheinfränkisch

-  Mittelfränkisch

-  Westfränkisch 

B) Thüringisch

 

 

Niederdeutsch

A) Niederfränkisch (gehört heute nicht mehr zum deutschen Sprachgebiet)

B) Altsächsisch

 

Das Ober- und Mitteldeutsche fasst man als „Hochdeutsch“ zusammen, was als geographisch-räumlicher Begriff angesehen werden muss.[7] Dass man zwischen Nieder- und Hochdeutsch unterscheiden kann, ist auf die zweite oder althochdeutsche Lautverschiebung zurückzuführen, welche den hochdeutschen Konsonantenstand deutlich vom niederdeutschen trennte. Die Grenze zwischen dem hoch- und niederdeutschen Raum bildet die sogenannte Benrahter-Linie, die bei Eupan anfängt, den Rhein südlich von Düsseldorf bei Benrath schneidet und weiter Richtung Kassel-Magdeburg geht.[8] Der Beginn dieser Lautverschiebung wird für die Zeit um das fünfte oder sechste Jahrhundert angesetzt. Die Verschiebung wirkte sich in den einzelnen Sprachgebieten unterschiedlich aus und dauerte mehrere Jahrhunderte, war aber um 800 nach Christus im Grossen und Ganzen abgeschlossen.

 

2. Lautverschiebung:

Germanisch p, t, k          à     Althochdeutsch pf, ff, ts, ss, kch, chch

                    b, d, g          à                               p, t, k (wobei ab dem 11. Jh. p und k    grösstenteils wieder zu b und g rückverwandelt werden)

                 th (wie thing) à                              d (Diese Änderung zeigt sich als einzige auch im niederdeutschen Sprachraum.)[9]

 

 

Über die Gründe dieser zweiten Lautverschiebung ist man sich, wie auch bei der ersten, nicht einig. Möglicherweise kam es zu einer Störung des Lautsystems durch Fremdsprachen, welche mit einer neuen Systematisierung durch die Alemannen ausgeglichen wurde.[10]

 

 

  

Das Mittelhochdeutsche (1050-1350)

 

Der Beginn der mittelhochdeutschen Zeit ist eine ungefähre Festlegung, für die der Tod Notkers von St. Gallen 1022 eine Rolle spielt.[11] Notker hatte in seinen Texten, die dem Althochdeutschen zugerechnet werden, zum ersten Mal die deutsche Formel „in diutiscun“ („auf deutsch“) verwendet.[12] Um 1050 war eine geistige Einheit erreicht, die sich in der allen germanischen Dialekten verständlichen Sprache äusserte.[13]

Das Mittelhochdeutsche lässt sich nach vornehmlich literaturhistorischen Kriterien weiter in das Frühmittelhochdeutsche (1050-1170), das klassische Mittelhochdeutsche (1170-1250) und das Spätmittelhochdeutsche (1250-1350) untergliedern. Auf diese Einzelunterteilungen will ich hier jedoch nicht weiter eingehen.

Die Periode des Mittelhochdeutschen ist die Zeit des Minnesanges; die Zeit von Dichtern wie Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Strassburg und Walther von der Vogelweide. Auch der oder die Dichter des Nibelungenliedes gehört/gehören in die Liga dieser Poeten.[14]

Die deutsche Sprache etablierte sich mehr und mehr. In der althochdeutschen Zeit hatten vor allem die Geistlichen deutsch geschrieben, jetzt vergrösserte sich der Kreis der Schreibenden, indem auch Dichter vermehrt deutsch anstelle von lateinisch schrieben. Da die Sachsen und Salier im 10. bis 12. Jahrhundert den Gedanken des übergreifenden Deutschtums festigten, bemühten sich die höfischen Dichter – sogar jene aus dem niederdeutschen Gebiet – um eine Einheitssprache, die sich in ähnlichen Wortformen, ähnlichem Wortschatz und Stil ausdrückte und dadurch zum Beispiel extreme Dialektformen vermied. Obgleich sich also das geschriebene Dichterwort um Einheit bekümmerte, die jedoch nie vollkommen erreicht werden konnte, sprach man an den verschiedenen Höfen des deutschen Sprachraums weiterhin die landschaftlich gefärbten Umgangssprachen. Ab dem 12. Jahrhundert wurde fremdes Sprachgut aus dem Französischen und dem Provenzalischen ins Mittelhochdeutsche aufgenommen. So nannte sich ein Ritter nun „schevalier“. Durch die Kreuzzüge wurden auch Wörter aus orientalischen Sprachen ins Deutsche aufgenommen, so zum Beispiel „Schach“ und „Zucker“. Die Dichter schufen des weiteren neue Ausdrücke durch Ableitung oder Zusammensetzung und weiteten die Bedeutung mancher Wörter aus. Da das Mittelhochdeutsche mit der höfischen Dichtung stand und fiel, war die Zeit der mittelhochdeutschen Kunstsprache in dem Augenblick beendet, als das Rittertum zerfiel.[15]

In der mittelhochdeutschen Zeit nahm allerdings nicht nur die weltliche Dichtung eine wichtige Stellung ein, sondern auch die religiöse Lyrik, die mystische Literatur, die Prosa der Urkunden, Rechtsbücher und der wissenschaftlichen Fachbücher. Als wahrscheinlich wichtigste Epen dieser Zeit dürfen diejenigen betrachtete werden, die sich mit König Artus und den Rittern der Tafelrunde und damit mit den anzustrebenden ritterlichen Tugenden auseinander setzten.[16]

Das Mittelhochdeutsche unterschied sich vom Althochdeutschen im lautlichen Bereich vornehmlich dadurch, dass in unbetonter Stellung die vollen Vokale meistens zu „e“ abgeschwächt oder überhaupt unterdrückt wurden: ahd. taga  à  mhd. tage, ahd. leffila à mhd. leffel.[17] Seit dem 13. Jahrhundert kann man eine Ausstossung des „e“ beobachten:

ahd. klagete à mhd. klagte, ahd. herre à mhd. herr.[18]

Während im frühen Mittelalter der kaiserliche Hof als Zentrum in der deutschen Welt stand, zerfiel jener unter den Nachfolgern Barbarossas (Friedrich I.) und wurde ab 1250 abgelöst durch eine Vielzahl von Landesherrschaften mit provinziellem Charakter. Durch diese Aufsplitterung in mehrere Machtzentren wurde auch die angestrebte Einheitssprache wieder durch die verschiedenen Mundarten ersetzt. Es war also eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen.[19]

Das Mittelhochdeutsche umfasste nur die hochdeutschen Sprachregionen; die niederdeutschen Gebiete, die von den Folgen der zweiten Lautverschiebung nicht betroffen waren, gingen ihren eigenen sprachgeschichtlichen Weg. In der Zeit des Mittelhochdeutschen bildeten sich die folgenden Mundarten des Hochdeutschen heraus, welche so fast vollkommen bis heute gültig sind:

 

Oberdeutsch

A)    Alemannisch

  -   Süd- oder Hochalemannisch

Heute Schweiz und Südbaden

-          Niederalemannisch oder Oberrheinisch

Im Elsass, Süden von Baden-Württemberg, Voralberg

-          Nordalemannisch oder Schwäbisch

In Württemberg, im bayerischen Schwaben

B)    Bairisch

-          Nordbairisch

Bis in den Nürnberger Raum

-          Mittelbairisch

Nieder- und Oberbayern, Ober- und Niederösterreich, Salzburg

-          Südbairisch

Tirol, Kärnten, Steiermark

C)    Ostfränkisch

Bayerisches Franken bis Meiningen und Coburg, Teil von Baden-Württemberg, Vogtland

D)    Süd(rhein)fränkisch

                  Baden, Teil von Nordwürttemberg

 

Mitteldeutsch

A)    Westmitteldeutsch

-          Mittelfränkisch

Rheinland von Düsseldorf bis Trier, Kreis Siegen (Westfalen), nordwestlicher Teil von Hessen, Nordwesten von Lothringen. Dazu gehört das Ripuarische (um Köln) und das Moselfränkische (um Trier).

-          Rheinfränkisch

Südlicher Teil des Rheinlandes, Teil des deutschsprachigen Lothringen, Hessen, Teil des bayrischen Franken, Teil von Württemberg und Baden, Rheinpfalz, Nordrand des Elsass

B)    Ostmitteldeutsch

-          Thüringisch

-          Obersächsisch (mit Nordwestböhmisch)

-          Schlesisch mit Lausitzisch

-          Hochpreussisch

Südlicher Teil des Ermlandes[20]

          

 

Das Frühneuhochdeutsche (1350-1650)

 

Das Frühhochdeutsche zeitlich einzuordnen erweist sich als nicht unproblematisch. Im Jahr 1235 erliess Kaiser Friedrich II. das erste Reichsgesetz in deutscher Sprache und läutete damit eine Entwicklung ein, die zunehmend das Deutsche neben das Lateinische des öffentlichen Schriftwesens setzte. Manche Sprachhistoriker wollten deshalb in diesem Jahr die frühneuhochdeutsche Zeit anbringen.[21] Überhaupt ist der Begriff des Frühneuhochdeutschen relativ jung. Jacob Grimm unterschied 1822 bloss zwischen einer alt-, einer mittel- und einer neuhochdeutschen Phase, wobei er letztere in der Zeit der Reformation um 1500 ansetzte. 1854 kam Grimm jedoch zu der Einsicht, dass die neuhochdeutsche Phase früher anzubringen sei oder dass zwischen mittel- und neuhochdeutscher Zeit eine Zwischenstufe zu platzieren sei.[22]

Bezeichnend für die frühneuhochdeutsche Zeit sind drei Entwicklungen: die Vermehrung der Städte, der Niedergang der zentralen Reichsmacht des Kaisers und die Ausweitung des deutschen Sprachraumes nach Osten. Alle diese Entwicklungen hatten um 1350, dem Zeitpunkt, in dem wir den Beginn der frühneuhochdeutschen Zeit ansetzen, ein vorläufiges Ende gefunden. Schon früh waren die Grundsteine für eine Ostkolonisation gelegt worden; um 1100 hatte nun die zweite Phase dieser Ostbewegung eingesetzt. In der „Fernsiedlung“ wurden Siedler aus dem Westen durch Versprechungen von Privilegien in die östlichen Gebiete gelockt, so kamen z. B. nach Böhmen und ins Vogtland Menschen aus Thüringen, die sich auf den Abbau der örtlichen Bodenschätze verstanden. Durch solche Anwerbungen von Fachleuten gelang es den östlichen Fürstentümern ihre Wirtschaft anzukurbeln. Die Wanderungen fanden wegen der im Jahre 1349 grassierenden Pest ein vorläufiges Ende.[23] Als Folge der Ostkolonisation erhielt das Deutsche Wörter, die ursprünglich aus slawischen Sprachen stammten, so z. B. „Kutsche“ aus dem Ungarischen und „Grenze“ aus dem Polnischen. Ebenso wurden unter anderem italienische und vor allem lateinische Lehnwörter eingeführt. [24] Wie im vorangegangenen Kapitel bereits beschrieben, war seit Kaiser Friedrich II. (1212-1250) die zentrale Reichsmacht als Vorherrschaft auf der politischen Bühne abgelöst worden durch die ehrgeizigen, nach Macht strebenden Landesfürstentümer. Durch diese Aufsplitterung  hatte die in mittelhochdeutscher Zeit angestrebte Einheitssprache an Bedeutung verloren, die regionalen Mundarten hatten sich wieder stärker herausgebildet. Als der Handelsverkehr durch das Aufblühen der arbeitsteiligen Wirtschaft ab dem 12. Jahrhundert grössere Bedeutung erlangte, begannen sich die Städte zu vermehren und zu vergrössern. Auch wenn wiederum die Pest die Tendenz des Städtewachstums und der Neugründung zum Stocken brachte, konnte man um 1500 in Deutschland und den Niederlanden rund 3000 Städte verzeichnen. Eine unglaubliche Zahl, wenn man bedenkt, dass es um 1200 erst 250 Städte gegeben hatte. Allerdings war die Mehrzahl der Städte sehr klein; so lebten in 2500 dieser 3000 Städte nur 100-500 Personen. 350 Städte beherbergten 500-1000 Menschen und nur 150 Städte zählten mehr als 1000 Einwohner, wenige davon einige zig Tausend, wie z. B. Köln mit 30 000. In den Städten entstanden neue Gesellschaftsformen, die an der Prägung des Frühneuhochdeutschen mithalfen.[25] Es bildeten sich ständisch bestimmte Sondersprachen aus, z. B. die Fachsprache der Handwerker, die Sprache der Dichtung, der Wissenschaft, der Religion und des Kanzlei- und Geschäftsbereichs. Während in mittelhochdeutscher Zeit vor allem Episches und Lyrisches geschrieben worden war, wandte sich die Aufmerksamkeit der frühneuhochdeutschen Schreiber der Prosa zu. Im Bereich der Wissenschaften gewann das Deutsche vor allem in Rechtsangelegenheiten an Bedeutung. Gepredigt wurde immer öfter deutsch, und auch Andachtsbücher waren in deutsch erhältlich. Auch in den Kanzleien, welche als Schreibzentren anstelle der althochdeutschen Klöster getreten waren, löste das Deutsche mehr und mehr das Lateinische ab.[26]

Wir unterscheiden zwischen folgenden Mundarten:

Das Oberdeutsche

1.      Das Alemannische (einschliesslich des Schwäbischen)

2.      Das Bairisch-Österreichische

3.      Das Ostfränkische

Das Mitteldeutsche

  1. Das Westmitteldeutsche

a)      Das Rheinfränkische

b)      Das Mittelfränkische (das Moselfränkische und das Ripuarische)

  1. Das Ostmitteldeutsche

a)      Das Böhmische

b)      Das Thüringische

c)      Das Obersächsische (Meissnische)

d)     Das Lausitzisch-Schlesische

e)      Das Hochpreussische[27]

 

 

Das Frühneuhochdeutsche wirkt sehr verwirrend. Jede Schreibstube, jeder Schreiber hatte seine eigene Auffassung, wie das Deutsche geschrieben werden musste. So herrschte in der Fülle von schriftlichen Dokumenten, die durch die Einführung des Papiers und durch den Buchdruck gefördert wurde, und manchmal sogar innerhalb desselben Dokumentes eine Vielzahl unterschiedlicher Schreibweisen. Trotzdem strebte man erneut nach Vereinheitlichung, zuerst im regionalen, später auch im überregionalen Raum, was zur Entstehung sogenannter „Schreibsprachen“ führte, die sich mit der Zeit immer mehr von den regional gesprochenen Mundarten unterschieden.[28] Aus den Sondersprachen des Handelsverkehrs und der Kanzleien entstanden eine mittelniederländische, eine mittelniederdeutsche, eine ostmitteldeutsche und eine oberdeutsche Schreibsprache.[29] Auch die Drucker strebten nach einem Sprachausgleich, sodass ihre Druckerzeugnisse zusätzlich in weiter vom Druckort entfernten Gegenden gelesen werden konnten. Luther spielte in der deutschen Sprachgeschichte eine herausragende Rolle. Durch seine Bibelübersetzungen (1522 Neues Testament, 1534 vollständige Bibel), die er in einer volksnahen, gemein verständlichen Sprache (Ostmitteldeutsch-Sächsisch) abgefasst hatte und die einen reissenden Absatz fanden, verbreitete sich Luthers Übersetzersprache und die durch die Nachdrucker seiner Schriften veränderte, weiterentwickelte Luthersprache sehr rasch in Deutschland und ebneten den Weg zu einer allgemein gültigen Schriftsprache.[30] Luther schuf neue Wörter, so sind z. B. „Lückenbüsser“, „friedfertig“, und „Ebenbild“ auf Luther zurückzuführen.[31]

Im Frühneuhochdeutschen sind vor allem vier Entwicklungen von Bedeutung: die Monophthongierung (ie, ue, üe à i, u, ü), die Diphthongierung (i, û, iu à ei, au, eu), die Rundung (e à ö, z. B. helle à hölle; i à ü, z. B. finf à fünf) und die Dehnung der alten Kurzvokale in offener, betonter Silbe (sagen à sagen).[32]

Das auf Luther basierende „Meissnische“ befand sich auf einem Eroberungszug durch Deutschland. Im ganzen mitteldeutschen Raum wurde es als Schriftsprache akzeptiert, sogar im niederdeutschen Raum wurde um 1600 in schriftlichen Angelegenheiten das Niederdeutsche definitiv durch das Meissnische ersetzt. Am langsamsten gewann es auf alemannisch-bairischem Boden Gewicht, weil hier der Abstand zur Volksprache ziemlich gross war. Allerdings verliessen auch von dort immer mehr in der neuen Standardsprache geschriebene Bücher die Druckereien, da die Autoren im Reich gelesen werden wollten. Auch die Menschen aus oberdeutschem Gebiet zeigten sich vorerst ablehnend gegenüber der neuen Schreibsprache, nahmen sie jedoch im 18. Jahrhundert an. Der katholische Südosten, der sich eine von der Luthersprache abweichende, gegenreformatorische Bibel zum Vorbild nahm, wirkte zunächst der sich anbahnenden Spracheinheit entgegen, näherte sich jedoch im 18. Jahrhundert der inzwischen weit fortgeschrittenen deutschen Schriftsprache wieder an.[33] Zu verdanken hatte die ostmitteldeutsch geprägte Sprache ihren Siegeszug vor allem den Sprachgesellschaften, Dichtern und Grammatikern.[34] Die Sprachgesellschaften hatten sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Sprache vor Einflüssen aus Fremdsprachen zu bewahren, also die Reinheit des Deutschen zu gewährleisten.[35] Die meisten Grammatiker standen zum Ostmitteldeutschen. Die Dichtung Klopstocks, Wielands und anderer mehr, die in ostmitteldeutscher Sprache geschrieben waren, waren unter deutschen Gebildeten sehr anerkannt und trugen so das ihrige zur Festsetzung des Ostmitteldeutschen bei. Im Bereich der Wissenschaften wurde das Latein vermehrt durch das Deutsche abgelöst. So wurden in Deutschland ab dem 17. Jahrhundert an den Universitäten, die in frühneuhochdeutscher Zeit in grosser Zahl gegründet worden waren, Vorlesungen in Deutsch gehalten. Dafür bekam seit dem 17. Jahrhundert das Französische als Sprache des Adels und der Gebildeten eine Vormachtstellung in Deutschland, schliesslich wollte man in allen Bereichen – also auch der Sprache – dem Vorbild  Versailles nacheifern.[36] Im Westfälischen Frieden am Ende des Dreissigjährigen Krieges 1648 wurden die Niederlande und die Eidgenossenschaft vom deutschen Reich unabhängig.[37]

 

 

Das Neuhochdeutsche (ab1650)

 

Wir bezeichnen die Phase ab 1650 als neuhochdeutsch, weil sich zu diesem Zeitpunkt das  „Lutherdeutsche“ zum „Hochdeutschen“ gewandelt hatte.[38]

Der Ausdruck „Hochdeutsch“ kam um 1450 zum ersten Mal vor und meinte das im Gegensatz zum Niederdeutschen stehende Ober- und Mitteldeutsche. Im 17. Jahrhundert bezeichnet der Ausdruck dann ein über den Dialekten stehendes, mit keinem Dialekt identische Deutsch.[39] Die Grammatiker, die mit „ratio“, also mit Vernunft, über die Sprachrichtigkeit entschieden, und die Stiltheoretiker (Theoretiker der Poetik und der Rhetorik), die unter Berücksichtigung antiker Stilmittel über Ästhetisches befanden, trugen viel dazu bei, diese „hohe“ künstliche Literatursprache auszubilden.[40] J. G. Schottelius brachte 1641 die damals bedeutungsvollste Grammatik der „Teutschen Sprachkunst“ heraus und führte mit seinen darauf folgenden, für die neuhochdeutsche Schriftsprache wichtigen Werken von der frühneuhochdeutschen in die neuhochdeutsche Epoche.[41] Das Hochdeutsch der Grammatiker und Stiltheoretiker wurde in der Literatur genutzt und weitergebildet.[42] Die Bestrebungen der Sprachgesellschaften hatten es um 1650 geschafft, das Fremdwort aus der lyrischen Dichtung fast vollkommen zu verdrängen.[43] Das Bestreben der Hofgesellschaft und der Gebildeten nach mit Fremdwörtern durchsetzten Sprechen ging erst mit dem Bestreben des protestantischen Pietismus zurück, dessen Anliegen es war, den Menschen individuelle Wege zu Gott aufzuzeigen. Da die Protestanten auf Deutsch kommunizierten, gewann das Deutsche an Einfluss.[44] Allerdings musste man zur Verteidigung des Gebrauchs des Französischen oder anderer Fremdsprachen zugeben, dass der Wortschatz des Deutschen zum Ausdrücken abstrakter Vorstellungen noch nicht genügend ausgebildet war.[45]

Mit der sich ankündigenden Aufklärung stellte sich ein Unbehagen gegenüber der prunkvollen Barocksprache an, die für viele Menschen, vor allem natürlich für die weniger gebildeten, sehr mühsam zu lesen oder gänzlich unverständlich war. Deshalb löste sich der komplexe, verschachtelte Barockstil ab durch einen flüssigeren, schlichteren und einfacher lesbaren Stil, der durch Romane, Zeitschriften, ect. verbreitet wurde.[46]  Die Aufklärung wurde geprägt durch eine grosse Wissbegierde, was z. B. im Bereich der Wissenschaften zur Herausbildung von spezifischen Fachsprachen führte.[47] 1748 veröffentlichte Johann Christoph Gottsched sein Werk „Grundregeln einer deutschen Sprachkunst“ und löste damit die Grammatik Schottels ab.[48] Gottscheds Grammatik wurde für den ganzen deutschsprachigen Raum zum führenden Lehrbuch.[49] Die sogenannte Geniezeit, die von 1775-1780 ihren Höhepunkt erreichte und zu der auch die Richtung des „Sturm und Drangs“ gehört, hatte nichts mehr gemein mit der aufklärerischen Nüchternheit, sondern war gekennzeichnet durch ein Schwelgen in Gefühlen. In dieser Zeit, die sich u. a. Friedrich Gottlieb Klopstock zum Vorbild genommen hatte, wurden vor allem Lyriken und Dramen – diese oft in Briefform – geschrieben. In der Sprache waren Kraft, Leidenschaft und Ungestüm zentra; auf korrekte Wortstellung und vollständige Sätze wurde zugunsten des natürlichen Ausdrucks, der den Gemütszustand des Schreibers widerspiegeln sollte, gern einmal verzichtet. Neben der Wiederbelebung untergegangener Wörter darf man auch die Neubildung von Wörtern (z. B. „Flammenblick“, „hochgeistig“, „Wetterbrand“) in diese Zeit setzen. Nicht alle, aber viele dieser Wörter erwiesen sich als nützlich und wurden auch in die Gemeinsprache aufgenommen.[50] Die Literatur der Klassik schliesslich, zu der sicher Goethe und Schiller, nachdem sie sich vom Sturm und Drang abgewendet hatten, als zwei der wichtigsten Vertreter zählen, war geprägt durch Mässigung und Deutlichkeit und zeigte sich meist als im Versmass gebundene Sprache.[51] Die Romantik, die jedoch für die Sprachentwicklung nicht so wichtig war, wollte die Sprache zu Musik erheben, benützte „magische Zauberworte“, die weite Assoziationen zuliessen und nicht begrifflich bestimmt waren. Die Metapher wurde zum beliebtesten Ausdrucksmittel der Romantik.[52]

Die Bevölkerungsschicht, welche das Neuhochdeutsche trug und zu dessen Weiterentwicklung beitrug, war die des gebildeten Stadtbürgertums, die der Bildungselite. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte sich in Deutschland nach dem Vorbild Frankreichs das absolutistische System durch. Für die höheren Verwaltungsämter setzte man akademisch gebildete Stadtbürger ein. Aus diesem Bedürfnis heraus wuchs die Zahl der Universitäten im 17. und 18. Jahrhundert stetig.[53] Durch die Einführung der Schulpflicht und das Aufkommen von Zeitungen gewann die in der Klassik grösstenteils fertig entwickelte Schriftsprache immer mehr an Bedeutung – neu auch für die Unterschichten der Gesellschaft.[54] Dank der französischen Kriegsentschädigung von 1871 entwickelte sich die Industrie im deutschen Reich im Schnellzugtempo, was natürlich auch zu neuen Wortschöpfungen führte, so z. B. „Grossindustrie“ und „Arbeitnehmer“.[55] Durch den Bevölkerungswachstum nahm das „Volk“ in immer grösseren Massen Anteil am öffentlichen Leben und durchdrang mit seinen umgangssprachlichen Gewohnheiten die allgemeine, traditionelle Sprache. Daraus ergab sich eine Annäherung der Schriftsprache an die Strukturen der gesprochenen Umgangssprache.[56] Nach 1870 erschienen einige Grammatiken, die diejenige Johann Christoph Adelungs, die ihrerseits das Lehrbuch Gottscheds abgelöst hatte, verdrängten.[57]

In Bezug auf Regeln und Normen nahmen Konrad Duden mit seinem „Orthographischen Wörterbuch“ von 1880 sowie die Orthographische Konferenz von 1901, an der auch die Schweiz und Österreich beteiligt waren, und Theodor Siebs mit seiner „Deutschen Bühnenaussprache“ von 1898 eine bedeutende Stellung ein.[58] Die innere Form der deutschen Standardsprache war im 19. Jahrhundert erreicht worden; die äussere Form fand mit der Orthographiekonferenz eine für das ganze deutsche Sprachgebiet gültige Rechtschreibregelung und mit Siebs eine Regelung zur Aussprache. Damit war die deutsche Einheitssprache einmal gefestigt.[59] Natürlich kam es auch nach 1900, bzw. 1901 noch zu Veränderungen der Sprache, z. B. mit einer weiteren Ausweitung des Wortschatzes oder mit der neuen Rechtschreibregelung. Da sich eine Sprache ständig im Fluss befindet, sind solche weiteren Entwicklungen und Wandlungen aber selbstverständlich und werden auch nie abreissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bibliographie:

- Hans Eggers: Deutsche Sprachgeschichte. Band 1. Das Althochdeutsche und das Mittelhochdeutsche. Reinbek bei Hamburg 1986

- Hans Eggers: Deutsche Sprachgeschichte. Band 2. Das Frühneuhochdeutsche und das Neuhochdeutsche. Reinbek bei Hamburg 1986

- Hugo Moser: Deutsche Sprachgeschichte. Tübingen 19696

- Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart.

Band 1. Einführung, Grundbegriffe: 14.-16. Jahrhundert. Berlin, New York 20002

- Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische   Studium. Stuttgart, Leipzig 20008

- Gerhart Wolff: Deutsche Sprachgeschichte. Ein Studienbuch. UTB für Wissenschaft. Tübingen, Basel 19943



[1] Hans Eggers: Deutsche Sprachgeschichte. Band 1. Das Althochdeutsche und das  Mittelhochdeutsche. Reinbek bei Hamburg 1986. S.10.

 

[2] Eggers, Bd.1,1986, S.24-26.

[3] Hugo Moser: Deutsche Sprachgeschichte. Tübingen 19696. S.78-83.

 

[4] Eggers, Bd.1, 1986, S. 40-52.

 

[5] Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische  Studium. Stuttgart,       Leipzig 20008. S.192.

[6] Schmidt, 2000, S.69.

[7] Moser, 1969,  S.106-107.

[8] Gerhart Wolff: Deutsche Sprachgeschichte. Ein Studienbuch. UTB für Wissenschaft. Tübingen, Basel 19943. S.58.

[9] Schmidt, 2000, S.204-207.

[10] Moser, 1969, S.113.

[11] Wolff, 1994, S.75.

[12] Eggers, Bd.1, 1986, S.45.

[13] Eggers, Bd.1, 1986, S.279.

[14] Schmidt, 2000, S.240-241.

[15] Moser, 1969, S.123-128.

[16] Eggers, Bd.1, 1986, S.289-292.

[17] Moser, 1969, S. 121.

[18] Wolff, 1994, S.80.

[19] Eggers, Bd.1, 1986, S.293-294.

[20] Schmidt, 2000, S.240f.

[21] Eggers, Bd.2, 1986, S.26.

[22] Eggers, Bd.2, 1986, S.17.

[23] Eggers, Bd.2, 1986, S.8-12..

[24] Moser, 1969, S.130-136.

[25] Eggers, Bd.2, 1986, S.12-16. 

[26] Moser, 1969, S.130-134.

[27] Schmidt, 2000, S.299.

[28] Eggers, Bd.2, 1986, S.45-47.

[29] Moser, 1969, S. 140.

[30] Wolff, 1994, S.108.

[31] Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band 1.

    Einführung, Grundbegriffe: 14.-16. Jahrhundert. Berlin, New York 20002

. S.234.

[32] Wolff, 1994, S.112.

 

[33] Eggers, Bd.2, 1986, S.186f. 

[34] Moser, 1969, S.147-150.

[35] Wolff,1994, S.143.

[36] Moser, 1969, S. 150.

[37] Schmidt, 2000, S.299.

[38] Wolff, 1994, S.133.

[39] Eggers, Bd.2, 1986, S.248f.

[40] Eggers, Bd.2, 1986, S. 250. 

[41] Eggers, Bd.2, 1986, S.37.

[42] Eggers, Bd.2, 1986, S.254.

[43] Eggers, Bd.2, 1986, S. 244.

[44] Eggers, Bd.2, 1986, S.195.

[45] Eggers, Bd.2, 1986, S.271.    

[46] Eggers, Bd.2, 1986, S.274.

[47] Eggers, Bd.2, 1986, S.291.

[48] Eggers, Bd.2, 1986, S.311.

[49] Eggers, Bd.2, 1986, S.317.

[50] Eggers, Bd.2, 1986,  S.335-338.

[51] Eggers, Bd.2, 1986, S.347-350.

[52] Eggers, Bd.2, 1986, S.350f.

[53] Eggers, Bd.2, 1986, S.251f.

[54] Moser, 1969, S.165.

[55] Eggers, Bd.2, 1986, S.356.

[56] Eggers, Bd.2, 1986, S.374f. 

[57] Eggers, Bd.2, 1986, S.367. 

[58] Wolff, 1994, S.185.

[59] Eggers, Bd.2, 1986, S.247.

What’s up with me? Mittwoch, Okt 29 2008 

I have finished the corrections of my fantasy novel Magion, so what am I doing? I am writing a second (more correctely a third) novel. It’s a story about the changing of a young girl. It takes place in Greece, on the island Kos and is written like a diary.

Beside that many other things are waiting for me. I have bought a canvas for my next big art project: Artemis with a deer.

Human deformations Donnerstag, Okt 23 2008 

Today I am writing about human deformations. Yesterday I saw a documentation about a girl who got severe burns at the age of two. She had several operations but still looks very hideous. Like a monster from a horror movie. She has no nose, no ears, no hairs, no hands and only one foot. Her skin is due to transplantation hard, looks like melted plastic and is full of scars. I feel very sorry for that child. Sure, her dad cares for her, but what when she gets older? What when she comes to school? Children can be very naughty even to normal looking pals. Will she endure the teasing? And what about when she becomes a young lady? What about love and sex? I look up to her because she is so strong and she still enjoys her life. I hope that she will keep this attitude for ever.

The fate of Seth, a young American, is also very touching. Seht suffered from progeria, an illness which lets your body grow older very fast. When he was 10, he looked like an aged. He had no hairs, a big head and tiny creases around the lipless mouth. He died when he was 14. Isn’t it a shocking thought to be a child in the body of an old person? – I have once seen a child wich suffered from progeria. That was in the U. S. as well. The child was very small and tiny and had little white hair like down.

I was fascinated from the first instance when I heard about John Merrick, the „Elephant Man“. He was British and suffered from a very bad full-body deformation. You won’t belive that this is possible unless you have seen a picture of him. One side of his head was like a huge ulcer, one arm and both legs and feeth were unproportional thick and on his back were ugly warts. – I saw a man who reminded me of John when I was in Udaipur, India last year. In a temple sat a man whose right side of the face was hanging down in several lappets.

When I see photos of these poor people then I am glad and grateful that I was born more or less normally.

Check out the site http://phreeque.tripod.com

Medizinisches Kuriosum Samstag, Okt 18 2008 

Letze Woche hatte ich einen Check-up, um meine Eignung für einen Medikamententest abzuklären. (Ich bin knapp bei Kasse und wollte den Test machen, um mal wieder etwas zu verdienen.) Mit dem Urinieren fingen die Probleme an. Ich hatte genug getrunken, um den Becher zu füllen, aber unter Druck geht bei mir einfach nichts. Ich sass also auf der Toilette, presste und entspannte mich wechselweise, stand immer wieder auf, trank etwas, liess das Wasser vom Lavabo laufen…es nützte alles nichts. Die Arzthelferinnen, die auf mich warteten, wurden schon ungeduldig und als ich dann endlich bei ihnen erschien, akzeptierten sie sogar den leeren Becher und sagten, ich könne nach der Untersuchung nochmals probieren. Sie gaben mir einen Fiebermesser, den ich unter die Zunge klemmen musste. Nachdem die eine Arzthelferin das Resultat abgelesen hatte, gab sie mir den Fiebermesser gleich noch einmal: 33 Grad. Beim dritten Mal Messen mit einem anderen Fiebermesser waren es 34 Grad. Erst als ich ihn seeehr lange unter der Zunge behielt, zeigte er Mindesttemperatur an. Es ist vielleicht noch anzufügen, dass mir kalt war. (Ich glaube inzwischen, dass meine Körpertemperaturen extrem schanken, je nachdem, ob mir kalt oder heiss ist.) Der Blutdruck war für den Test eher tief. Beim Versuch, mir Blut zu nehmen, kapitulierten die beiden Damen schliesslich. Sie fanden meine Venen kaum. Sie meinten, sie könnten vielleicht noch Blut zapfen, aber eine Kanüle legen, das sei quasi unmöglich. So wurde ich denn mit dem Vermerk untauglich freundlich entlassen.

Illions Fall Donnerstag, Okt 16 2008 

Dumpf prallten zusammen der Feinde Schilde.

Aug in Aug standen sich gegenüber wie Wilde:

Die Helden der Troer und Argeier.

Letztere nannten sich der Helena Befreier.

Funkelnd traf Erz auf Erz

und verursachte viel Leid und Schmerz.

Die Männer jubelten laut,

wenn sie ritzten des Gegners Haut.

Achill brachte der Wurf der Lanze

für die Ewigkeit des Ruhmes Glanze.

Der Spitz drang tief in Hektors Schlüsselbein

und brachte über Illion grosse Pein.

Achill schleifte die Leiche um das Grab Patroklos‘,

bevor er sie zurückgab in Priamos Schoss.

Bald darauf fielen Achill und die hohen Mauern,

um die bis heute manche Götter trauern.

Durch das Pferd, des Odysseus‘ List,

brannte schliesslich Troja nach zehnjähriger Frist.

 

Erstes Kapitel von meinem Fantasy-Roman „Magion“ Sonntag, Okt 12 2008 

Kapitel 1: Das Unglück

 

Es war ein schöner Tag, ein Tag, wie geschaffen für die Jagd. Die hundert Sonnen von Magion strahlten vom Himmel und wurden nur selten von Wolken bedeckt. Die Wälder um das Schloss Xanmor waren so reich an Wild, dass die königliche Jagdgesellschaft nicht nur im Herbst, sondern das ganze Jahr über Hirsche, Wildschweine, Fasane und Füchse schoss.

Der König stand am offenen Fenster und schaute auf den glitzernden See und die smaragdgrünen Wälder, die tief unter Xanmor lagen. Das Schloss Xanmor stand auf einem Felspfeiler im See Fundor, der in der Mitte des Planeten Magion lag. Etliche Türme strebten  himmelwärts, und wenn die Aussicht schon vom Erdgeschoss aus fantastisch war, dann war sie von den Türmen aus atemberaubend.

„Die Pferde sind gesattelt, Mylord“, meldete der erste Jagdaufseher.

Der König wandte sich vom Fenster ab und blickte den Jagdaufseher an, der erwartungsvoll da stand.

„Gut“, sagte er, „dann lasst uns gehen!“

Mit grossen Schritten durchquerte er den Raum, und seine Stiefel hallten auf den Steinplatten wider. Er nahm seinen braunen Jagdhut mit der Fasanenfeder vom Tisch, kontrollierte, ob der lederne Armschutz richtig sass und verliess das Zimmer. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein kaum wahrnehmbares Lächeln ab. Er freute sich auf die Jagd. Denn diese Jagd war etwas Besonderes. Am nächsten Tag hatte seine Tochter Ximalia Geburtstag und aus diesem Anlass gab es ein grosses Fest. Natürlich sollte den vielen Gästen ein exzellentes Essen geboten werden und deshalb sollten bei dieser Jagd mehr Tiere als sonst erlegt werden. Auch wenn das seiner Tochter selbst nicht gefiel. Als Tierfan rührte sie kein Fleisch an. Aber den Gästen konnte man schliesslich nicht nur Gemüse aufstellen.

Im Hof wartete die Jagdgesellschaft bereits auf ihren Pferden. Es waren adlige Herren, die zum Vertrautenstab des Königs gehörten. Sie waren alle in braune Hosen und ein braunes Oberteil gekleidet, das mit Fellbordüren verziert war. Als der König aus dem Schloss trat, grüssten sie ihn und verbeugten sich leicht. Der König nickte ihnen freundlich zu, schwang sich behände auf sein Pferd und gab das Zeichen zum Abritt. Ein Page löste die Leinen von den Halsbändern der Hunde, die geifernd und jaulend nur darauf warteten, losgelassen zu werden. Die Jagdhörner klangen weit über die Wälder, als die Gesellschaft zum Haupttor hinaus ritt. Die Hunde rannten bellend voraus über die Regenbogenbrücke, die über den Zaubersee von Fundor führte und das Schloss Xanmor mit dem festen Boden verband. Kaum hatten die Jäger die ersten Bäume passiert, scheuchten die Hunde auch schon kläffend Wildtiere auf.

Die Jagd lief gut und so hatte die königliche Jagdgruppe nach einer Stunde bereits drei Hirsche erlegt. Die Jäger liessen die Beute von den Dienern in die Schlossküche bringen und rätselten insgeheim, auf wie viele Arten die Köche das Fleisch wohl zubereiten würden. Manch einem lief das Wasser im Mund zusammen, als er an Hirschpfeffer, Rehrücken in Rotweinsauce oder pfeffrigen Fleischkuchen dachte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass die Geburtstagsfeier der Prinzessin ausfallen würde.

Die Hunde hatten bereits wieder die Spur eines Wildtieres aufgenommen und rannten bellend und jaulend durch das Unterholz, während die Jäger versuchten, ihnen durch das Dickicht zu folgen. Der König ritt an der Spitze, trieb sein Pferd an, hetzte es durch Sträucher und über Wurzelknollen. Er duckte sich nah an den Hals des Pferdes, um von den Ästen nicht am ganzen Gesicht zerkratzt zu werden. Bald einmal hörte er das Schnauben der anderen Pferde nur noch gedämpft hinter sich und kurz darauf gar nicht mehr. Er war allein an erster Position hinter den Hunden.

Im Eifer der Jagd hatte niemand das Wesen bemerkt, das dem Trupp schon seit einiger Zeit folgte. Nur die Vögel und Eichhörnchen flohen ängstlich vor dem riesenhaften Tier, das lautlos wie ein dunkler Schatten durch die Luft schwebte. Das Wesen jedoch machte keinerlei Anstalten, das fliehende Kleingetier zu verfolgen: Es hatte es auf eine viel grössere Beute abgesehen, auf eine Beute, die ihm grenzenlose Macht bescheren sollte.

Die Hunde hatten inzwischen einen Eber eingekreist, der aggressiv versuchte, aus dem Ring der knurrenden Tiere auszubrechen. Doch die Hunde kamen immer näher, und das Schwein drängte sich an eine Eiche, die von einem Feuer, das hier einmal gewütet hatte, schwarz verkohlt war. Zwei verkrüppelte Äste ragten in einer grotesken Haltung himmelwärts und liessen den Baum wie ein Wesen aussehen, das seine Arme flehend zum Himmel streckte. Der König zügelte sein Pferd wenige Schritte vom Eber entfernt. Ruhig nahm er einen Pfeil aus dem fuchsbehangenen Köcher an seinem Rücken, spannte ihn in seine Armbrust, zielte sorgfältig und traf das Schwein hinter dem linken Schulterblatt, worauf es röchelnd zusammensackte. Der König lächelte überlegen. Er war stolz darauf, ein ausgezeichneter Schütze zu sein, und zwar auf der Jagd wie im Krieg.

Die Blätter der Bäume raschelten, und dem König schien es, als wolle ihm selbst die Natur ihre Ehrfurcht bezeugen und seinen Jagderfolg mit einem kräftigen Applaus würdigen. Dass dies ein Irrtum war, sollte er nicht mehr feststellen können. Das Wesen, das dem König unauffällig gefolgt war, hatte ihn ins Visier genommen und stürzte so schnell wie ein Pfeil auf ihn hinab. Der König merkte nicht einmal, wie ihm geschah, so schnell schlitzte das Ungetüm ihm mit seinen messerscharfen Krallen den Brustkorb auf. Blut spritze in Fontänen heraus und besudelte die Mähne des Pferdes. Das Tier scheute in Todesangst und warf den Reiter ab. Die anderen Jäger brachen kurz darauf durchs Unterholz und sahen gerade noch, wie sich der schreckliche Riesenvogel mit seinen schwarzen, ledernen Flügel über die Baumwipfel emporschwang und schnell davonflog. In den riesigen Klauen hielt er seine grausame Beute: das bluttropfende, noch pochende Herz des Königs.

Die Jäger waren geschockt. Einige stiegen von den Pferden und kauerten sich über den am Boden liegenden Körpter. Eine tiefe Wunde zog sich quer über den Brustkorb, und an der Stelle des Herzens klaffte ein tiefes Loch, aus dem das Fleisch in Fetzen hing und ununterbrochen Blut sprudelte. Einer der Jagdgefährten des Königs, Graf Eridor, schloss die Augen seines Königs und murmelte kaum hörbar: „Ich reite nach Xanmor und überbringe der königlichen Familie die schreckliche Botschaft. Bringt den König noch nicht ins Schloss. Ich werde eine Trage und ein Tuch schicken, damit man ihn bedecken kann.“

Graf Eridor fühlte sich wie benommen. Er konnte selbst noch nicht fassen, was geschehen war. Alles war so schnell gegangen, und der Vogel hatte sich so leise genähert, dass ihn niemand gesehen hatte. Der Graf schüttelte den Kopf, als könnte er dadurch das Bild des blutüberströmten Königs abschütteln, doch es hatte sich ihm wie ein Brandmal ins Gehirn geätzt. Er würde es sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Der Graf preschte durch den Wald, überquerte eilend die Regenbogenbrücke, die zum Schloss Xanmor führte und übergab im Innenhof sein Pferd einem Stallburschen. Er bemerkte die dunkelgrauen Wolken nicht, die sich über den Zinnen von Xanmor bedrohlich zusammen ballten. Auch dem Wind, der durch den Innenhof fegte und der sein Pferd so erschreckte, dass es sich aufbäumte und angstvoll wieherte, schenkte er keine Beachtung.

„Schnell, schickt zwei Diener mit einer Bahre und einem grossen Tuch in den Wald zur verkohlten Eiche. Und dann ruft Ossiva und Ximalia. Ich muss mit ihnen sprechen“, rief er dem ersten Diener zu, der seinen Weg kreuzte.

„Worum handelt es sich, bitte?“, wollte der Diener wissen.

„Der König liegt tot im Wald. Und jetzt tut, was ich Euch gesagt habe und beeilt Euch! Die Königsfamilie muss umgehend von diesem Unglück in Kenntnis gesetzt werden!“

Der Diener schaute den Grafen irritiert an, bat ihn aber schliesslich in den Audienzsaal. Dort sollte er auf Ossiva, die Königsgemahlin, und Ximalia, deren gemeinsame Tochter, warten.

Der Graf sah sich nervös im Raum um, den er so gut kannte und der jetzt, nach dem Tod des Königs, plötzlich vollkommen anders wirkte. An der einen Wand war der Thron aufgestellt: ein hoher Stuhl aus Gold. Die Armlehnen wurden von Greifen gestützt und auf der Rückenlehne war das Zepter von Magion abgebildet. Rechts und links vom Thron waren die Stühle für die Vertrauten des Königs aufgereiht. An den Wänden hingen riesige Wandteppiche, und zwischen ihnen steckten Fackeln in den gusseisernen Fackelhaltern.  An einer Längswand war eine grosse Feuerstelle in die Mauer eingelassen, über der zwei gekreuzte Hellebarden und ein Schild hingen. Von der Decke hingen fünf prächtige Kronleuchter, in deren Kristalltropfen sich das Kerzenlicht brach und regenbogenfarbene Reflexe auf die Wandteppiche und den Boden warf. Hier hatte der König seine Gefolgsleute und Untertanen empfangen, hier hatten die Adligen zusammen mit ihm so manche Schlachtpläne entwickelt und neue Gesetze aufgestellt. Der Audienzsaal war das Herzstück des Schlosses, der Ort, wo alle wichtigen Regierungsgeschäfte erledigt wurden. Der Graf fühlte, wie Wehmut in ihm aufstieg, als er den leeren Thron und die vielen Stühle für die Mitglieder des Vertrautenstabs betrachtete. Wer würde jetzt den Platz auf dem Thron einnehmen? Der Herrscher hatte keinen Sohn, nur eine Tochter. Würde sie fähig sein, die das Königreich Magion mit harter Hand zu regieren? Der Graf lenkte seinen Blick zum langen Tisch im linken Teil des Saales, wo der König oft Schlachtpläne ausgerollt hatte. Würde sie als einzige Frau in einer Runde von Männern akzeptiert werden oder würde manch ein General versuchen, sie von der Kopfseite des Tisches zu verdrängen?

Der Graf wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als der Diener die Königin und ihre Tochter lauthals ankündigte. Graf Eridor fiel einmal mehr die Schönheit der beiden auf. Ossiva wirkte demütiger und blasser als ihre Tochter, war aber auf ihre Art sehr anmutig. Sie hatte glatte, blonde Haare, die sie nach hinten gekämmt und in einem Knoten festgesteckt hatte. Ihr blassgrünes Kleid war hochgeschlossen und hatte Rüschen am Hals und an den Ärmeln. Ximalia, die ihrer Mutter nicht sehr ähnlich sah, war auf ganz andere Weise schön. Ihre Augen waren gross und glänzten geheimnisvoll, so, als ob sie eine Wahrheit geschaut hätte, die allen anderen versagt geblieben war. Ihre Haare waren blond wie die der Mutter, aber stark gelockt. Ihr langes, luftiges Seidenkleid war von einem klaren Aquamarinblau und umspielte ihre schlanke Figur. Sie war jung und zart, aber gleichzeitig strahlte sie eine so grosse Stärke und eine solche Energie aus, dass ihr mancher Magioner bereits jetzt mehr Respekt zollte als ihrer Mutter; und das nicht nur, weil sie als einziges Kind des Königspaars die direkte Nachfolgerin des Königs war. Wollte man die beiden Frauen mit Blumen vergleichen, wäre Ossiva eine sanfte Margarite, Ximalia hingegen wäre eine Rose: schön, aber wegen ihrer Dornen auch gefährlich.

Der Graf grüsste die Frauen, indem er seinen Hut zog und sich tief verbeugte.

„Womit kann ich Euch dienen, verehrter Graf?“, fragte Ossiva etwas erstaunt über den unerwarteten Besuch.

Der Graf wich dem Blick der Königsgattin aus und fingerte nervös an seinem Hut herum. Er liebte die Königsfamilie fast wie seine eigene und deshalb fiel ihm das Überbringen dieser Hiobsbotschaf so schwer wie noch nie etwas in seinem Leben. „Es ist… nicht einfach, Euch diese Botschaft zu überbringen.“ Er versuchte, den Kloss in seinem Hals herunterzuschlucken. Aber er konnte nicht, sein Mund war trocken wie eine Wüste. „Leider bleibt mir keine Wahl. – Es ist…der König…“

„Der König? – Was ist mit dem König?“ Ossiva hatte ihre Ruhe verloren, aufgeschreckt machte sie einige Schritte auf den Grafen zu und schaute ihn ängstlich an.

Graf Eridor wich ihrem Blick aus.

„Er…er ist…getötet worden“, stammelte er unbeholfen.

„Getötet? Aber…das kann nicht sein!“, rief die Königin entsetzt.

Der Graf berichtete ihr und Ximalia, wie sich alles zugetragen hatte. Dass niemand den Vogel früh genug gesehen habe und dass alles so schnell gegangen sei, dass niemand die mörderische Bestie habe erschiessen können.

Ossivas Beine versagten, sie klammerte sich an die Lehne eines Stuhls und liess sich langsam auf ihn sinken. Ximalia reagierte gefasster. Sie musste die Worte des Mannes zuerst verarbeiten. Alles klang so unwirklich. Sie konnte nicht glauben, dass ihr Vater tot war. Einen Moment lang erwog sie, ob der Graf sich einen Scherz mit ihnen erlaubte und ihr Vater jeden Augenblick zur Tür herein käme. Aber dann verwarf sie den Gedanken wieder, denn sie kannte den Grafen als ehrlichen Mann, der nichts auf solche üblen Spässe gab.

„Es tut mir sehr Leid“, sagte er und seine Stimme fühlte sich in der unrealistischen Stille wie ein Messerstich an. „Ich habe angeordnet, dass man den Leichnam in den Schlosshof bringt.“

Die Nachricht drang wie von fern an die Ohren der Frauen. War der König wirklich tot? Konnte es sein, dass sie nie mehr mit ihm zusammen sein konnten? Die Zeit hielt in diesen Minuten den Atem an und versetzte Mutter und Tochter in einen Zustand tiefster Ohnmacht.

Als keine der Frauen etwas erwiderte, fügte er hinzu: „Vielleicht möchtet Ihr ihn sehen. – Später, meine ich, wenn er gewaschen und zurechtgemacht ist. “

Ossiva starrte ihn apathisch an. Sie bekundete mit keiner Geste, dass sie verstanden hatte, was er gesagt hatte. Graf Eridor wusste nicht, wie er mit der Trauer der beiden Frauen umgehen sollte. Ihm wurde die Situation mit jeder Sekunde unangenehmer. Sollte er den Frauen als Zeichen des Beileids die Hand auf die Schulter legen, wie er es bei einem Kameraden machen würde, und ihnen gut zusprechen oder sollte er sie vielleicht besser allein lassen? Er entschied sich für letzteres, denn er befürchtete, dass die königlichen Damen jederzeit in Tränen ausbrechen könnten und er dann noch viel weniger wusste, wie er sich zu benehmen hatte.

Er räusperte sich. „Wenn Ihr mich nicht mehr braucht, würde ich mich gerne zurückziehen.“

Da sich keine der beiden Frauen dazu äusserte, verneigte sich der Graf und verliess den Saal mit schnellen Schritten. Begleitet wurde er dabei von einer Stille, die er auf einmal unangenehmer fand als alles Schluchzen und Wimmern. 

 

Die Beerdigung des Königs am nächsten Abend fand in der Abdankungshalle statt. Diese Halle bestand ausschliesslich aus weissem Marmor. An den Wänden entlang waren Statuen der Götter aufgestellt. Skios, der Gott der Unterwelt, stand auf einem Podest, sodass er die anderen Götter überragte. Schliesslich war diese Halle des Todes ihm gewidmet. An den Wänden hingen Teppiche, die Darstellungen aus dem Totenreich zeigten. In massiven Gusseisenkerzenständern staken dicke, weisse Kerzen, deren Flammen unruhig flackerte. Die bunten Mosaikglasfenster warfen farbige Muster in den Raum. Etwa hundert Marmorsäulen stützten das Dach der Halle.

Wie es die alte Tradition verlangte, war das Zepter von Magion aus seinem sicheren Aufbewahrungsort, der ‚Grotte der Heiligen’, geholt und in der Abdankungshalle hinter dem Haupt des aufgebahrten Leichnams aufgerichtet worden. So konnte seine Kraft ein letztes Mal über den toten König wirken, damit dieser unbehelligt seine Reise ins Reich der Toten antreten konnte.

Auf diesen Moment hatte der Zauberer Zaronn gewartet. Er hatte seit Jahren seine Macht kontinuierlich aufgebaut und alles genau geplant:  die Ermordung des Königs und den Raub des Zepters. Das Zepter würde ihm uneingeschränkte Macht über ganz Magion bescheren, eine Macht, die er für seine finsteren Zwecke nutzen wollte.

Der König trug rote Samthosen und ein passendes Oberteil dazu, das über und über mit Goldmustern bestickt war. Seine Füsse steckten in feinen Schuhen mit  einer grossen Schnalle und kleinem Absatz. Er war gewaschen, gekämmt und mit wohlriechenden Ölen eingerieben. Auf seiner Stirn war mit roter Farbe eine Krone aufgemalt, dem Zeichen, dass hier ein Mitglied der Königsfamilie seine letzte Ruhe fand. Die hässliche Wunde in seiner Brust war durch die Kleider verdeckt, und man hätte meinen können, der König schlafe, wenn nicht seine Haut fast ebenso weiss wie das Marmorpodest gewesen wäre, um das sich Hunderte von Menschen in andächtiger Stille versammelt hatten. Ja, diese Stille. Sie war nicht nur andächtig, sondern mutete fast schon unheimlich an. Niemand sprach, niemand bewegte sich; die Trauergäste standen da, als wären sie selbst ebenso leblos wie der Mann, um dessen Willen sie hierher gekommen waren.

Ximalia fixierte das wächserne Gesicht dieses Mannes, der ihr jetzt, im Tod, so fremd erschien. Das also war ihr Vater, ihr strenger, doch geliebter Vater, der für seine Härte im ganzen Land gefürchtet, für seine Gerechtigkeit jedoch geschätzt worden war. Jetzt lag er da, kalt und schwer, und würde nie mehr seine Ehrfurcht gebietende Stimme erheben. Nun war er nichts weiter als ein toter Leib, obwohl er auch als solcher streng und ernst wirkte.

Die Zeremonie hatte noch nicht angefangen, weshalb Ximalia eine der schwarzen Rosen abbrach, die in grossen Töpfen rund um das Podest angepflanzt waren. Sie atmete den süsslich-schweren Duft ein, der sich ihr wie ein Schleier der Melancholie in die Lunge legte. Sie legte die Rose behutsam auf die Brust ihres Vaters. In einer letzten zärtlichen Geste strich sie mit den Fingerkuppen sanft über die erkaltete rechte Hand ihres Vaters. Diese Hand hatte ihr früher liebevoll über das Haar gestrichen. Ximalia hielt den Kopf gesenkt, damit niemand die Tränen sah, die ihr über die Wangen liefen.

Welch Ironie des Schicksal! An diesem Tag hätten eigentlich alle froh sein müssen; mit einem grossen Fest hätte man den Geburtstag der Prinzessin gefeiert. Doch jetzt standen die Geburtstagsgäste in stummer Trauer beisammen und huldigtem ihrem toten König.

Die Chöre hatten zum Auftakt der Totenfeier gerade das ‘Lied der Zeit’ angestimmt, als die schweren Eichentüren der Totenhalle aufsprangen und ein riesenhafter Schatten in den Saal fiel. Tobende Wirbelstürme wehten alles, was ihnen in den Weg kam, nieder. Die Trauernden sowie die Chöre und die Priester flohen in Panik. Auch Ximalia, die mit ihrer Mutter Ossiva in der ersten Reihe der Trauernden gestanden hatte, floh aus erstem Reflex heraus. Sie raffte ihren Rock zusammen und folgte der Mutter, die ihre Hand ergriffen hatte und sie hinter sich herzog. Rechts und links von ihnen drängelten sich die Trauergäste vor, und es dauerte nicht lange, dass Mutter und Tochter getrennt wurden. Ximalia spürte, wie ein Wirbelsturm mit voller Kraft auf sie zukam. Sie musste sich irgendwo festhalten, sonst würde er sie davonwehen! Sie schaffte es gerade noch, sich an eine der Säulen zu klammern, ehe der Wirbelsturm vorbeifegte. Neben ihr wurden Menschen durch die Luft geschleudert, die mit einem dumpfen Klang wieder am Boden landeten und dort in grotesker Haltung liegen blieben.

Als der Sog der Winde nachliess, lehnte sie sich erschöpft an die Säule und beobachtete das Drama, das sich vor ihr abspielte.

Der Aufruhr war perfekt: überall strömten schreiende Menschen zum Ausgang, die Angst hatten, von den Wirbelwinden davongeweht zu werden oder durch deren Krachen und Zischen zumindest das Gehör zu verlieren. Einige stolperten in dem Gedränge und fielen hin. Aber niemand half ihnen wieder auf die Beine, jeder trampelte einfach über sie hinweg. Mannshohe Kerzenständer lagen kreuz und quer im Raum verstreut; die wertvollen Teppiche an den Wänden waren in einzelne Fäden aufgelöst, und die ungeheuren Sturmböhen entwurzelten die schwarzen Rosen, die in wildem Durcheinander herumgeschleudert wurden. – Das Chaos war ausgebrochen.

In diesem ganzen Tumult verkleinerte sich der bedrohliche Schatten, der in die Totengewölbe eingedrungen war, zu einer düsteren Gestalt, und Zaronn marschierte mit höhnendem Lachen zum Totenpodest des Königs. Er riss das Zepter, das unberührt hinter dessen Haupt stand, an sich. Ximalia stockte der Atem. Sie fühlte die Stärke und Boshaftigkeit, die von dieser schwarzen Gestalt ausging. Ihre drohende Anwesenheit füllte den Raum wie giftiges Gas und liess die Prinzessin erschaudern. Sie roch ihre eigene Angst, während sie sich in Gedanken gut zusprach und sich so zu beruhigen versuchte: „Reiss dich zusammen. Er hat dich nicht gesehen und kann dir somit auch nichts tun!“ Vorsichtig spähte sie hinter der Säule hervor und musste zusehen, wie das Unmögliche geschah: der Diebstahl, der die grösste je dagewesene Katastrophe auf Magion auslösen sollte. Eine Sekunde erwog sie, sich gegen den Dieb zu werfen, um ihn aufzuhalten, doch sie ahnte instinktiv, dass sie damit nackten Selbstmord begehen würde. Also blieb sie, wo sie war, und beobachtete, was weiter geschah.

Zaronn hatte sein Ziel erreicht. Das Zepter würde ihm uneingeschränkte Macht verleihen und ihm helfen, eine neue, finstere Herrschaft über Magion zu erstrecken. Er hielt es, mit beiden Händen umschlossen, in die Höhe, und sein grässliches Lachen dehnte sich zu einem einzigen, langgezogenen, durchdringenden Schrei, einem Schrei von solcher Grelle, dass die bunten Fensterscheiben unter seiner Tonhöhe barsten. Ximalia hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu und meinte trotzdem zu fühlen, wie sich der Schrei wie ein Stachel in ihren Kopf bohrte. Die Prinzessin biss die Zähne zusammen, drückte ihre Stirn gegen die Säule und musste sich zwingen, in ihrem Versteck zu bleiben und nicht einfach davon zu rennen, weg von diesem entsetzlichen Lärm. 

Endlich verebbte der markerschütternde Schrei, dafür dröhnten nun die Worte von den Wänden: „Endlich, endlich ist es mein, das Zepter von Magion. Die gesamte Macht der Welt liegt in meinen Händen. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Ich werde Magion in ein Reich der Dunkelheit verwandeln, und Bossal wird sein neues Machtzentrum werden. Die Sonnen werden nicht mehr scheinen, und alle Kreaturen werden auf meine Befehle hören, wenn sie ihr erbärmliches Leben behalten wollen. Zaronn wird auf ewig über ihnen stehen.“

Der Name Zaronn liess Ximalia erschaudern. Es war der Name, den sie am meisten fürchtete. Der Name, mit der die schreckliche Prophezeiung verknüpft war. Sie hatte schreckliche Angst, aber sie musste einfach wissen, wie der Mann aussah, der auf so niederträchtige Weise in ihr Leben eingriff. Sie spähte vorsichtig hinter der Säule hervor. Ein schwarzer, wehender Mantel hüllte die grosse Gestalt ein, und eine Kapuze verdeckte ihr Gesicht so, dass unter deren Schwärze nur das teuflische Glitzern der Augen erkennbar war.

Die Wirbelwinde hoben Zaronn empor, bevor er, so schnell wie er gekommen war, durch ein zerbrochenes Fenster in die Finsternis der Nacht verschwand. Sein Gelächter hallte noch eine Weile von den Wänden wider, doch dann endlich war auch dieses letzte Echo verstummt, und zurück blieb die Verwüstung.

 

Nach diesem schrecklichen Ereignis stieg Ximalia auf den höchsten Turm des Palastes. Sie schaute in den schwarzen Himmel und zu den glitzernden Sternen. In ihrem Innern stauten sich Trauer, Wut und Verzweiflung. Einige Zeit blieb sie nur so stehen und kämpfte mit den aufkommenden Tränen. Dann fiel sie auf die Knie, legte die Hände wie zum Gebet zusammen und atmete die frische Nachtluft ein.

 „Vater, ich weiss, wer dein Mörder ist. Bestimmt ist Zaronn, der Dieb des Zepters, der Vogel gewesen, der dir das Herz aus dem Leib gerissen hat. Ich schwöre dir, dass ich deinen Tod rächen werde. Zaronn wird seine Strafe für dieses Verbrechen erhalten. Mit Hilfe des Helden, den mir Asprogis geweissagt hat, werde ich versuchen, das Zepter zurück zu holen, das verspreche ich dir. Es muss mir gelingen oder ich will tot sein! Magion soll nicht von einem Verbrecher regiert werden!“, rief sie in die Nacht hinaus und der Wind trug ihre Worte mit sich fort, hoch bis zu den Göttern hinauf.

Als sie sich und der Welt ihr Wort gegeben hatte, rief sie, allein auf dem grossen Balkon stehend, die Weisse Fee, ihre Lehrerin aus früheren Zeiten, an: „Asprogis, meine Zeit ist nah, ein Teil deiner Weissagung hat sich erfüllt. Zaronn, der Herr des Dunkeln, hat das Zepter von Magion, den Inbegriff der höchsten Macht und Herrschaft, gestohlen. Du hast mich gelehrt und mich auf mein Schicksal vorbereitet, das mir nun offenbart wird. Ich bin bereit, meine Aufgabe zu erfüllen. Sende den Helden, den ich nicht kenne, damit wir gemeinsam in den Kampf gegen Zaronn ziehen können. Denn mein sei die Rache, und ich will nicht eher ruh’n, als dass Zaronn vernichtet ist.“

Sie schaute in die Sterne, die über ihr glitzerten wie Diamanten, und dachte verbittert: „Auch wenn es mein Ende sein sollte.“

 

In dieser Nacht wurde die Königstochter von schlimmen Selbstzweifeln gequält.

„Wieso habe ich es nicht gemerkt? Wieso habe ich nicht gemerkt, dass der Tod meines Vaters kein Zufall war, sondern Absicht? Ich hätte doch erkennen müssen, dass sein Tod ein Trick Zaronns ist, um an das Zepter zu kommen. Wieso habe ich das nicht realisiert? Ich hätte meiner Mutter verbieten müssen, das Zepter aus der Grotte der Heiligen zu holen, dann hätte Zaronn es nie rauben könne. Wieso nur, wieso habe ich bloss seinen Trick nicht durchschaut? Ich habe ja von der Prophezeiung gewusst, habe gewusst, dass das Zepter einmal von Zaronn gestohlen werden würde!“

Diese Vorwürfe liessen sie nicht zur Ruhe kommen. Sie wälzte sich auf ihrem Bett hin und her und versuchte, sich zum Schlafen zu zwingen, doch ihre Gedanken waren zu dominant. Nach einigen Stunden vernahm sie in ihrem Innern die Stimme von Asprogis, ihrer Lehrerin: „Mach dich nicht selbst verrückt, Ximalia. Du warst wegen der Trauer über den Tod deines Vaters zu verwirrt, als dass du den Zusammenhang hättest erkennen können. Und selbst wenn du die Gefahr gesehen hättest und deiner Mutter verboten hättest, das Zepter aus der Grotte der Heiligen zu holen, hätte das nichts gebracht. Ossiva hätte sich widersetzt und trotz deiner Warnung den alten Brauch weiter geführt. Das Schicksal kann man nicht ändern, Ximalia.“

Diese Worte beruhigten die Prinzessin ein wenig. Sie erkannte, dass Asprogis Recht hatte: Man  kann dem Schicksal nicht ausweichen. Mit dieser Erkenntnis schlief sie erschöpft ein.

 

 

Anorexie und Bulimie – Erkennungsmerkmale, Begleiterscheinungen, Gründe Montag, Okt 6 2008 

Anorexie

Erkennungsmerkmale

Die meisten magersüchtigen Mädchen beginnen mit einer „normalen“ Diät, die sie dann jedoch nicht beenden können, sondern die sie in die Anorexie führt. Je mehr die Mädchen abnehmen, desto tiefer wird das angestrebte „Traumgewicht“ angesetzt. Die Zufriedenheit über das erreichte Gewicht währt nur kurz und wird abgelöst durch das Verlangen, noch mehr abzunehmen. Die Angst, dick zu werden, nimmt phobistische Ausmasse an. Die kleinste Gewichtszunahme führt zu einem Schock. Zuzunehmen wird wahrhaft als Katastrophe erlebt, als etwas vom Schlimmsten, was einem widerfahren kann.

Selbstdisziplin wird hoch bewertet, und der ausgezehrte Körper wird zum Synonym für Leistung und Erfolg.

Anorektische Menschen beschäftigen sich ständig mit Essen. Sie können sich, vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, auf nichts anderes mehr konzentrieren als auf Kalorien zählen, Überprüfen dessen, was sie gegessen haben, ect. Nahrungsmittel mit vielen Kalorien, besonders fett- und zuckerhaltige, werden vom Speisezettel gestrichen. Mit der Zeit werden aber auch die „mageren“ Nahrungsmittel immer mehr reduziert, sodass ein anorektisches Mädchen z. B. pro Tag nur noch einen Apfel und ein Joghurt light isst. Das Hungergefühl wird dabei ignoriert oder mit Unmengen von Wasser bekämpft. Die radikalste Art der Anorexie ist die vollständige Nahrungsverweigerung. Situationen, in denen gemeinsam mit anderen gegessen wird, werden vermieden. Kommt es doch einmal dazu (vor allem innerhalb der Familie sind solche Essen meist nicht vollständig auszuklammern), haben die Anorexiekranken allerlei Ausreden auf Lager, um nicht essen zu müssen (à„kein Hunger“, „habe gerade gegessen“, „mir ist nicht gut“). Anorektische Patientinnen spielen ihre Krankheit herunter, wollen den Eindruck aufrecht erhalten, dass sie gesund und fit sind. Oft sind sie sehr leistungsorientiert und auch leistungsstark – meist zum Erstaunen ihrer Umgebung. Sie sind ständig in Bewegung, haben einen streng strukturierten und „sinnvoll“ verplanten Tagesablauf, der ihnen Halt gibt, und treiben, um noch mehr abnehmen zu könne, euphorisch Sport, was ebenfalls bald zwanghafte Ausmasse annimmt.

Oft ist die Wahrnehmung vom eigenen Körper gestört. Die Mädchen erleben sich als viel dicker als sie in Wahrheit sind.

Das Ironische der Anorexie ist, dass die Mädchen glauben, Kontrolle über ihr Essverhalten zu haben, und darüber nicht merken, dass sie in Wahrheit überhaupt keine Kontrolle mehr haben.

 

Begleiterscheinungen

Physisches: Das Aussetzten der Periode, Darmträgheit oder Verstopfung sind Folgen der knappen Ernährung. Trockene Haut, Haarausfall, Wachsen eines Flaums in Gesicht oder an Armen und Beinen können ebenfalls auf Grund einer Anorexie auftreten. Der ganze Stoffwechsel läuft auf Sparflamme, was zu kalten, blau gefärbten Händen und Füssen führen kann; ausserdem verlangsamen sich Atmung und Herzschlag, die Körpertemperatur sinkt und der Blutdruck wird niedriger. Auch Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen können auf Anorexie hinweisen. Magersüchtige sind anfälliger auf Krankheiten, weil sie weniger Abwehrstoffe haben. Die Hemmung der Produktion weiblicher Sexualhormone kann sogar zu Unfruchtbarkeit führen.

Psychisches: Gewisse Charakterzüge können stärker hervor treten und zu Verhaltensauffälligkeiten führen (z. B. extrem perfektionistische Art). Depressionssymptome treten bei bis zu 90 Prozent der Patientinnen auf.

 

 

Bulimie

Erkennungsmerkmale

Zur Bulimie gehört das Auftreten von Fressanfällen, bei denen innert kürzester Zeit eine Riesenmenge an meist kalorienreichen Speisen verschlungen wird. Bulimikerinnen leiden dabei unter einem Kontrollverlust, ein übermächtiger Drang bringt sie dazu, so viel zu essen, bis sie das Gefühl haben, platzen zu müssen. Patientinnen, die sich mit ihrer Krankheit arrangiert haben, kaufen im Voraus grosse Mengen an Nahrungsmitteln, damit sie sich den Fressanfällen ungehemmt hingeben können. Nach diesen Fressanfällen haben die Betroffenen ein schlechtes Gewissen, sie fühlen sich schlecht, weil sie die Kontrolle über sich verloren haben und all die „schlechten“ Nahrungsmittel gegessen haben. Da sie, wie anorektische Menschen, extreme Angst vor einer Gewichtszunahme haben, und sie nach einem solchen Anfall Ekel vor sich selbst, Scham und Enttäuschung über sich empfinden, bringen sie sich selbst zum Erbrechen und/oder nehmen grosse Mengen von Abführmitteln ein.  Eine solche Essattacke kann einmal pro Woche bis mehrmals täglich auftreten. Kohlenhydraten werden ausserhalb der Fressanfälle häufig auf ein Minimum reduziert.

Die Gedanken von bulimischen Patientinnen kreisen ebenso stark ums Thema „Essen“ wie die der anorektischen. Anfangs wird das Erbrechen als wiedererlangte Kontrolle erlebt, mit der Zeit wird die Fress-Brech-Abfolge aber mechanisch: die Bulimikerin kann gar nicht mehr anders, als sich, nachdem sie viel gegessen hat, zu übergeben. Bulimikerinnen gehen gemeinsamen Mahlzeiten mit andern Menschen auch gerne aus dem Weg. Vor anderen essen sie entweder wenig, „normal“ oder viel. Auch Sport wird eifrig betrieben.

Obwohl das Gewicht meist im Normativbereich liegt, unterliegen Bulimie-kranke Personen starken Gewichtsschwankungen. Sie sind mit ihrem Körper unzufrieden und erleben auf dem Weg zu ihrem Traumgewicht nichts als Misserfolg. Bulimikerinnen vermeiden offene Kommunikation und zeigen geringe Konfliktlösefähigkeiten.

 

Begleiterscheinungen

Physisches: Ein Merkmal der Bulimie ist ein gestörter Flüssigkeit- und Mineralsalzhaushalt, vor allem ein Mangel an Kalium, der lebensbedrohliche Herz- und Nierenfunktionsstörungen nach sich ziehen kann.

Der beim Erbrechen hochkommende Magensaft kann Speiseröhre und Rachen angreifen und den Zahnschmelz beeinträchtigen. Durch die Fressanfälle kommt es zu einer Überdehnung des Magens, was zu Magenwandrissen und Magenblutungen führen kann. Auch das Risiko, Magengeschwüre zu bekommen, erhöht sich.

Blasenentzündungen und Hautprobleme gehören ebenfalls zu den Symptomen.

Das häufige Erbrechen führt zu Wunden an den Händen.

Psychisches: Stärker noch als bei der Anorexie geht die Bulimie mit Depressionen einher. Diese können, wie bei der Magersucht, bei einer normalisierten Nahrungsaufnahme nachlassen. Alkoholmissbrauch wird häufig mit den Fressattacken gekoppelt. Auch Selbstverletzungen und Stehlen von Esswaren oder Geld für ihre Beschaffung können Begleiterscheinungen sein.

 

Gründe

Mädchen, die sich körperlich früh entwickeln sind gefährdeter.

Sexueller Missbrauch, Identitätsprobleme, Minderwertigkeitskomplexe sowie grosse neue Anforderungen können Gründe für eine Essstörung sein. Bei der Anorexie kann auch eine Angst vor dem Erwachsenwerden, Protest (z. B. gegen elterliche Überbehütung) oder ein Hilferuf nach Aufmerksamkeit (z.B. wenn man sich nicht akzeptiert und geliebt fühlt) dahinter stecken. Bei der Bulimie spielt dafür der Abbau von Frustration durch Essen (à Essen als Trostpflaster) eine Rolle. Menschen mit Essproblemen haben irrationale Vorstellungen zum Thema „Figur“. Sie verlangen sehr viel von sich selbst, trauen sich aber wenig zu und sehen die Dinge im falschen Verhältnis (eben zum Beispiel einen so schmalen Körper zu erreichen, dass man auf gesundem Weg nicht zu ihm kommen kann).

Eine Essstörung wird in einer Familie begünstigt, wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte vorliegen:

-          ein Elternteil hat Depressionen, eine Sucht oder eine Essstörung

-          zwischen den Eltern gibt es Konflikte

-          die Eltern erwarten grosse Leistungen und Erfolg von ihren Kindern

-          Mangel an Kommunikation und Zuwendung

-          eine enge Bindung zu einem Elternteil mit gleichzeitig grosser Distanz zum anderen

Persönlichkeitsmerkmale, die eine Anorexie begünstigen, sind Perfektionismus, Bedürfnis nach Kontrolle, hohe Leistungsfähigkeit.

Zu dem allem kommt natürlich der Druck, attraktiv zu sein und dem von der Mode vorgeschriebenen Schönheitsideal zu entsprechen.

Essstörungen sind aber sehr vielschichtig, weshalb eine Person aus einem ganz anderen Grund diese Krankheit bekommen kann als eine andere. Meist sind Essstörungen multikausal.

Durch das geschwächte Selbstwertgefühl hegen Patientinnen oft den Wunsch, in irgend einem Bereich besser als alle anderen zu sein. Sich selbst und den anderen etwas zu beweisen, steht damit im Vordergrund. Da unsere Kultur eine schlanke Taille mit Erfolg gleichsetzt, ist es für die Mädchen erstrebenswert, dünn zu sein, was dann, gekoppelt mit der grossen Selbstkritik und Unzufriedenheit, schnell zu einem gestörten Verhalten gegenüber dem Essen führen kann.

 

 

Bollywood movies Freitag, Okt 3 2008 

Yesterday I watched a Bollywood movie. I like them very much. All the colorful clothes, the singing and dancing, the love, the drama. I best like Shah Rukh Khan as an actor, because his mimic is stunning. He is very good in sad, tragic stories. When you then look at him you sometimes have to cry. As an actress I like Aishwarya Rai. I think she is the most beautiful of all those beautiful Indian actresses. Did you know that Bollywood copies Hollywood movies? I realised this when I watched „Partner“ which is a copy of the Hollywood movie „The Love Doctor“ with Will Smith. Did you also know that Bollywood produces many movies more than Hollywood?

My first Bollywood movie was „Devdas“. It’s a love story with a tragic end. A girl and a boy are in love with each other, but the family of the girl thinks the family of the boy is not rich enough and they refuse a wedding. Instead, they marry the girl with a wealthier man. The boy tries to forget his love by drinking and visiting a whore. At the very end he dies in front of the closed door of his love’s house.

I heard the rumour that Shah Rukh Khan shall be gay. I was told that he is married just because of tradition and to keep up appearences. But of course I don’t know if it’s true as I was also told that he got overnight visits from a young girl while he was staying at a hotel in Jaipur.