Ich hab gerade den Film „Schatz der Nibelungen“ gesehen. Ist ein super guter Film. Spannend, voller Rätsel und Abenteuer. Genauso wie ichs mag. Wäre ja schon toll, wenn man einen Schatz entdecken würde. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, irgendwo in einer Höhle oder unter der Erdoberfläche im Wald das bekannte russische Bernsteinzimmer zu finden. Das wurde ja im Weltkrieg von den Deutschen abgebaut und in Kisten gepackt. Seither ist es verschollen… Ich las als Kind auch die Biographie von Heinrich Schliemann und war ganz begeistert von ihm als Person, seiner Hartnäckigkeit, seinem Willen und Glauben, seiner enormen Ausdauer. Und dass er es schliesslich geschafft hat, Troja zu entdecken, trotz aller Zweifel von „richtigen“ Gelehrten. Auf Itahka hat er zwar vergebens nach dem Palast des Odysseus gegraben, aber das gibt mir die Hoffnung, vielleicht beim Sanburgenbauen Odysseus’ Behausung zu finden…
Naja, nicht ganz so wertvoll, aber doch auch spannend waren meine Schatzsuchen durch unser Haus. Ich stöberte gern im Keller und im Estrich, fand ab und zu interessante Dinge wie Pelzreste, Dolche, alte Nachthemden, die man zum Verkleiden gebrauchen konnte. Das ist etwas, was mir geblieben ist: das Stöbern und Wühlen in alten Dingen. Ich liebe es, in Secondhandläden zu gehen und Designerklamotten zum Sparpreis zu finden und auf Floh- und Antiquitätenmärkten nach für mich kostbaren Objekten zu stöbern. Auf diese Weise habe ich einmal z. B. einen alten schwarzen Straussenfedernfächer erworben und eine Doktortasche. Diese ist zwar recht unhandlich, mühsam zu öffnen und vor allem unglaublich schwer. Aber für einen Wochenendausflug gibt es einfach nichts Stylischeres als diese Tasche. Mein Traum ist es, einmal den Speicher einer wohlhabenden alten Dame durchforsten zu dürfen. Ach, was es da für Schätze gäbe: Krokotaschen, alte Handschuhe, Pelze, wunderschöne Vintage-Kleider, Hüte, diese niedlichen eleganten kleinen Schirme, Seidenstolen, Schuhe und Abendtäschchen. Ganz zu schweigen von Hutschachteln, Dosen und verzierten Schatullen. Wenn jemand den Speicher der verstorbenen eleganten Omi nicht ausräumen mag: Ich komme gerne!!
Ich mag sowieso diese alten Modedekaden. Wie herrlich waren die unverschämten zwanziger mit den Flapperdresses, wie elegant die fünfziger mit swingenden Röcken – Rosshaarunterrock sei Dank – wie ungezwungen der Hippielook der sechziger. Wie grässlich finde ich, wie sich heute die meisten Menschen anziehen. Casual mit Jeans und unifarbenem T-Shirt. Wie langweilig und unelegant! Wo ist das Bedürfnis geblieben, sich schön zu machen, sich herauszuputzen? Heute gehen ja leider auch viele Zeitgenossen sogar im Casuallook in die Oper. Ich finde, das sollte verboten sein. Wenigstens für gewisse Anlässe sollte man sich gut oder allerwenigstens etwas besser als sonst anziehen. Das ist ein Grund mehr, weshalb ich die früheren Jahrzehnte liebe. In den fünfzigern mussten die Schuhe zur Tasche passen und die Auswahl des passenden Outfits nahm sicher eine gewisse Zeit in Anspruch. Schliesslich musste auch ein dazu gehöriger Mantel und feine Handschuhe ausgewählt werden. Und vielleicht noch ein Hütchen. Sowieso Hüte. Die scheinen quasi ausgestorben und werden heutzutage zum blossen Nutzobjekt degradiert. Im Sommer einen Strohhut oder – Achtung, Stilsünde per excellence! – einen Baseballcap, im Winter eine dicke Strickmütze, womöglich noch mit Zipfel auf der Spitze. Wow, wie sexy! Nö, nö, Mädels, so gehts nicht! Schreibt es euch hinter die Ohren: Lieber overdressed als underdressed. Oder anders gesagt (zum Schrecken aller Bauhausfans): Stil kommt vor Komfort!